NEWS 16.10.2012 - Herbstarbeitstagung in Tiengen

Am vergangenen Wochenende hatte die Bürgerzunft 1503 Tiengen e.V. als Ausrichter der diesjährigen Herbstarbeitstagung die Mitgliedszünfte der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. herzlich in wunderschöne Altstadt am Hochrhein geladen.

Fastnacht und Heimat war das prägende Thema der Veranstaltung. Zwei Begriffe die nicht nur zusammengehören sondern sich gegenseitig auch bedingen und mit denen man sich daher auch auf dieser Tagung auseinandersetzte, nicht zuletzt da die demographische Entwicklungen, Globalisierungstrends oder die erforderliche Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund, den Begriff Heimat einer starken Transformation und Elastizität unterwerfen.

Als Referenten zu diesen weitfassenden Begrifflichkeiten war neben dem Volkskundler Professor Dr. Werner Mezger auch der Chefredakteur des SÜDKURIER Stefan Lutz geladen und stellten die Zusammenhänge aber auch Schwierigkeiten, welche sie selbst in der Verbindung von Fastnacht und Heimat sehen hervorragend und informativ dar.

Prof. Dr. Werner Mezger beispielsweise sieht die zentralen Probleme, denen Interessenverbände wie die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte aktuell gegenüber stehen, nicht mehr primär bei Fragen zur Bewahrung der Vergangenheit der Bräuche, sondern vor allem bei der Gestaltung ihrer Zukunft. Angesichts der enormen sozialen, technischen und ökonomischen Umbrüche der Moderne müssen sich Narrenzünfte und ihre Dachverbände heute mehr denn je darüber Gedanken machen, wie sie auf die Herausforderungen von Multikulturalität, Migration und Globalisierung reagieren wollen. Das wird nicht leicht sein, denn der Prognosekorridor ist weit gefasst. Mezger sagte dazu: Wenn Brauchträger und Fastnachtsfunktionäre sich mit einem naiven „Weiter so“ begnügen und vor den Entwicklungen der Gegenwart die Augen verschließen, laufen sie Gefahr, über kurz oder lang von der Spaßgesellschaft neutralisiert zu werden. Wenn sie hingegen ihr kulturelles Kapital verantwortungsbewusst einsetzen, können sie wertvolle Integrationsarbeit und einen wichtigen Beitrag zum künftigen Miteinander der Menschen leisten – kurzum daran mitwirken, was Ernst Bloch einmal als den „Umbau der Welt zur Heimat“ bezeichnet hat.