1924 bis 1934

1924
Die Narrozunft Villingen lädt am 7. November zur Gründung eines Narrenverbandes ein. Die Gründungsversammlung findet am 16. November 1924 in Villingen statt. 13 Narrenzünfte und -vereine, Bräunlingen, Donaueschingen, Elzach, Haslach, Hüfingen, Klein Laufenburg, Oberndorf, Offenburg (Althistorische), Rottweil, Schramberg, Stockach, Villingen und Waldshut traten dem „Gauverband badischer und württembergischer althistorischer Narrenzünfte“ mit Sitz in Villingen bei. Benjamin Grüninger, Villingen, wird zum 1. Präsidenten, Wilhelm Herb, Rottweil, zum 2. Präsidenten, Theodor Glatz, Villingen, zum Kassier und Karl Häßler, Villingen, zum Schriftführer gewählt. Der Jahresbeitrag pro Mitgliedszunft wird auf 10 Reichsmark festgelegt.

1925
Der neugegründete Narrenverband bemüht sich beim Ministerium des Innern in Karlsruhe, daß die dem Verband angehörenden alten Narrenorte wieder die Fasnacht abhalten dürfen, was dann auch amtlich genehmigt wird.

1926
Am 5. Dezember wird in der ordentlichen Mitgliederversammlung in Villingen die Satzung der „Vereinigung badischer und württembergischer althistorischer Narrenzünfte“ angenommen. Zur Vereinigung gehörten jetzt 21 Narrenzünfte und -vereine.

1927
Überraschend stirbt der erste Präsident, Benjamin Grüninger. In der Hauptversammlung am 23. Oktober in Donaueschingen wird Albert Fischer Villingen, zu seinem Nachfolger gewählt.

1928
Die meisten Mitgliedszünfte der Vereinigung beteiligen sich beim Oberbadischen Narrentreffen am 20. Januar in Freiburg/Breisgau, zu dem der badische Volkskundler Hermann Busse aufgerufen hatte. Die Narrozunft Villingen stellte, stark beeinflußt von der Resonanz dieses Narrentreffens, in der Hauptversamnlung am 28. November in Rottweil den Antrag, jährlich ein Narrentreffen zu veranstalten.

1929
Am 12./13. Januar findet das erste Narrentreffen der Vereinigung in Villingen statt. In der Hauptversammlung in Elzach am 17. November wird die Bildung einer Aufnahmekommission beschlossen. Der Protest des Präsidiums beim Badischen Landtag konnte den in ihn eingebrachten Antrag, das Fasnachtsunwesen zu verbieten, verhindern. Der Vereinigung gehörten jetzt schon 32 Mitgliedszünfte an.

1930
Am 31. Januar/1. Februar war Rottweil Ausrichter des zweiten Narrentreffens der Vereinigung. In der Hauptversammlung am 30. November in Oberndorf erhielt die „Vereinigung der schwäbisch-alemannischen Narrenzünfte" ihren endgültigen Namen. Albert Fischer, Villingen, wurde als 1. Präsident, Bruno Limberger, Rottweil, als 2. Präsident, Theodor Glatz, Villingen als Kassier und Weibert Zehnder Villingen, als Schriftführer gewählt, bzw. wiedergewählt.

1931
In der Hauptversamnlung in Klein-Laufenburg (Laufenburg/Baden) am 15. November wurde beschlossen, im nächsten Jahr kein Narrentreffen zu veranstalten. Es sollte dafür ein zweijähriger Turnus angestrebt werden.

1932
Am 9. November führte Hechingen die Hauptversammlung, verbunden mit einer vielbeachteten Ausstellung alten Fasnachtsgutes, durch. Wegen der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage nahmen von 33 Mitgliedszünften nur 17 an dieser Hauptversammlung teil.

1933
Am 3./4. Februar wurde wenige Tage nach der „Machtergreifung" in Stockach das dritte Narrentreffen der Vereinigung veranstaltet. Es sorgte für einige Irritationen, da es erstmals vom damaligen Reichssender Stuttgart übertragen werden sollte. Wegen der vorausgegangenen Übertragung des Staatsbegräbnisses eines Berliner SA-Führers wurde der Umzugsbeginn um eine Stunde verzögert, damit danach die Originalübertragung beginnen konnte. In der Hauptversammlung in Möhringen am 29. November ging Präsident Fischer auf die neue politische Situation ein und erklärte, auch die Narrenzünfte seien bereit, am Wiederaufbau des Vaterlandes mit allen Kräften mitzuarbeiten. Dankbar sei die Stellungsnahme der neuen Reichsregierung gegenüber dem Bestreben der Zünfte anzuerkennen, nachdem die früheren Regierungen das erforderliche Interesse an ihnen nicht immer gezeigt hätten. Einer im nächsten Jahr geplanten Landes-Fasnacht-Ausstellung wurde Unterstützung zugesagt, sofern die eigene Fasnacht nicht behindert würde. Die Zahl der Mitgliedszünfte war auf 38 angestiegen.

1934
Im Januar und Februar fand eine Landes-Fasnacht-Ausstellung unter dem Protektorat des Badischen Landesgewerbeamtes in Karlsruhe statt. Ein Umzug und Vorführungen der althistorischen Zünfte im Badischen Landestheater waren Höhepunkte dieser Veranstaltung. Infolge der politischen Gleichschaltung der Vereine und Einführung des Führerprinzips wurde Albert Fischer Villingen, zum „Führer" der Vereinigung bestellt. Von seinem „Führerrecht Gebrauch machend", ernannte er einen fünfköpfigen Beirat zu seiner Unterstützung, um das „übertragene Führeramt in loyaler Weise" zu handhaben. Die Vereinigung wurde Mitglied der Reichskulturkammer der NSDAP. In der Hauptversammlung in Pfullendorf am 11. November wurden Satzungsänderungen bezüglich der Pflege alten Fasnachtsbrauchtums angenommen.