1960 bis 1969

1960
42 Zünfte fanden sich am 16./17. Januar in Möhringen zur Hauptversammlung ein, in der Präsident Weibert Zehnder ankündigte, amtsmüde zu sein und die Versammlung aufforderte auf die Suche eines Nachfolgers zu gehen. Dr. Gustav Bender erläuterte die Neufassung der Satzung. Am 6./7. Februar war Singen Ausrichter des Großen Narrentreffens unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger. Am 30. März verstarb Präsident Weibert Zehnder; sein Stellvertreter Hans Ströhle, Markdorf, führte die Amtsgeschäfte weiter. Im Oktober wurde den Mitgliedszünften die neue Satzung der Vereinigung zugestellt.

1961
In der Hauptversammlung am 14./15. Januar in Furtwangen wurde die neue Satzung in Kraft gesetzt und ein Rahmenvertrag mit der GEMA einstimmig genehmigt. Zum Präsidenten wurde Hans Ströhle, Markdorf, zu seinem Stellvertreter Franz Möhringer Bonndorf, zum Schriftführer Wolfgang Zimmermann, Markdorf, gewählt und Fritz Weisbrod, Donaueschingen, in seinem Amt als Kassier bestätigt. Die Aufnahmekommission wurde mit Dr. Gustav Bender, Stockach (federführend), Hermann Berger, Villingen, Wilhelm Kutter, Stuttgart, Hermann Rambach, Waldklrch, Karl Vollmer, Offenburg, besetzt; Wilhelm Kutter wurde als Kulturreferent bestätigt.

1962
Säckingen beherbergte am 27./28. Januar die Mitgliedszünfte zur Hauptversammlung, in der Wilhelm Kutter klärende Worte zum Begriff „Fasnacht" fand, die er etwas später in einem Rundschreiben an die Zünfte über den geschichtlichen, nicht vertretbaren Rückgriff auf mittelalterliche Gründungsjahre und andere unliebsame Anhängsel an die bodenständige Fasnacht ergänzte. Angesichts der Sturmflutkatastrophe an der deutschen Nordseeküste vor dem Fasnachtssonntag, tauchte die Frage auf, ob die Fasnacht stattfinden soll oder nicht. Den Kern der Fasnacht als älteste deutsche Festkultur erkennend, wurde die Abhaltung der Fasnacht bejaht.

1963
Zur Hauptversammlung am 19./20. Januar trafen sich die Mitgliedszünfte im oberschwäbischen Weingarten. Sie verlief in seltener Harmonie und Einmütigkeit. Die kurz bemessene Fasnachtszeit des folgenden Jahres war Anlaß, die Hauptversammlung 1964 schon am 9./ 10. November in Mühlheim/Donau abzuhalten, zu der 18 von 51 Mitgliedszünften ihre Vertreter entsandten. Dr. Gustav Bender, Stockach, schied aus der Aufnahmekommission aus; Wilhelm Kutter, Stuttgart, wurde deren Vorsitz übertragen. Erstmals kam die Idee auf, für Häs und Maske aller Zünfte eine Heimstatt in Form einer Art Museum zu schaffen. Man war sich einig, diesen Gedanken weiter zu verfolgen.

1964
Am 18./19. Januar richtete Offenburg das Große Narrentreffen aus. Wilhelm Kutter unterteilte die schwäbisch-alemannische Fasnachtslandschaft unter Berücksichtigung ihres historischen Wachstums, landschaftlicher Gegebenheiten, sprachlicher Verwandtschaften und freundschaftlicher Bindungen in acht Regionen ein, wobei sich die Mitgliedszünfte der Vereinigung nach seinen Intentionen in den Landschaften Baar, Bodensee-Linzgau, Donau, Hegau, Hochrhein, Ober-
schwaben, Neckar-Alb und Schwarzwald finden sollten.

1965
Triberg war am 16./17. Januar Austragungsort der Hauptversammlung, in der noch einmal bekräftigt wurde, daß sie grundsätzlich im Januar abgehalten werden sollen. Herbert Scherzinger, Bräunlingen, wird zum neuen Stellvertreter des Präsidenten gewählt.

1966
Fünfzig Mitgliedszünfte trafen sich am 15./16. Januar in Pfullendorf zur Hauptversammlung, in der das Überhandnehmen und die allzu groß angelegten Freundschaftstreffen kritisiert wurden, Einladungen von Zünften ins Ausland sollten erst nach Vorlage und Entscheidung durch das Präsidium angenommen werden. Hans Keller, Pfullendorf, wurde zum neuen Schriftführer gewählt. Am 8./9. Oktober fand in Bonndorf die erste Herbstarbeitstagung statt. Ihr Sinn lag darin, bei den Zünften kritische Aufklärungsarbeit zu leisten. Die sich an einen Lichtbildervortrag Wilhelm Kutters anschließende fruchtbare Diskussion führte zum spontanen Entschluß, sie als Dauereinrichtung auch in Zukunft durchzuführen.

1967
Entgegen allen Beschlüssen fand die Hauptversammlung für 1967 bereits wieder am 5./6. November 1966 in Ehingen statt, bei der Dr. Herbert Schwedt vom Ludwig-Uhland-Institut Tübingen als Pressereferent vorgestellt wurde. Die Herausgabe eines Narrenmarsch-Buches, in dem etwa 60 Narrenmärsche in Buchform zusammengefaßt sein sollten, nahm Formen an und beschäftigte die Vereinigung während des ganzen Jahres. Die Herbstarbeitstagung richtete Donaueschingen am 14./15. Oktober aus.

1968
fanden sich am 13./14. Januar 50 von 55 Mitgliedszünften in Bad Dürrheim zur Hauptversammlung ein, in der das bevorstehende Große Narrentreffen und die Beiordnung eines Bilanzprüfers Grundlagen für ausgedehnte Diskussionen boten. In Bad Cannstatt beteiligten sich 36 Zünfte mit 5000 Narren am Großen Narrentreffen, bei dem am Vorabend auf dem Killesberg die Verschiedenartigkeiten und Vielfalt der Masken und Narrenkleidle der Vereinigung eindrucksvoll vorgestellt wurden. In Weingarten fanden sich am 28./29. September die Mitgliedszünfte zur Herbstarbeitstagung ein.

1969
Wellendingen richtete am 18./19. Januar die Hauptversammlung aus, in der das geschäftsführende Präsidium wiedergewählt wurde. Jede Fasnachtslandschaft sollte mit einem Mitglied im Beirat vertreten sein. Diese Vertreter wurden auch gewählt, was allerdings nicht ganz ohne Irritationen ablief. Schweizer Zünften wurde die ordentliche Mitgliedschaft zugestanden; sie wurden aufgefordert, Aufnahmeanträge zu stellen. Wolfach war am 4./5. Oktober Ausrichter der Herbstarbeitstagung. In Friedrichshafen schlossen sich eine Reihe von Narrenvereinen und -zünften zum „Internationalen Narrenring" zusammen, der später in „Alemannischer Narrenring" umbenannt wurde, während im Bereich des Bussen eine „ Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte" entstand. In einer Besprechung mit dem „Internationalen Narrenring" (ANR)verwies Präsident Hans Ströhle auf Gemeinsames und Trennendes, bei letzterem insbesondere auf die teilweise alten Traditionen in Maske, Häs und fasnächtlichen Brauchabläufen seiner Zünfte und verteidigte nachdrücklich die Auffassung der Vereinigung, das alte schwäbisch-alemannische Narrentum zu vertreten.