1980 bis 1989

1980
In der Hauptversammlung am 12./13. Januar in Haslach wurde die Satzung des Fördervereins Narrenschopf verabschiedet. Wilhelm Kutter, Stuttgart, der bisher das Archiv verwaltete, gab dies an Rudi Schlatter, Donaueschingen, ab, der in dieser Funktion Mitglied des Kulturellen Beirats wurde. Am 26./27. Januar trafen sich die Mitgliedszünfte in Weingarten beim Großen Narrentreffen, an dessen Narrensprung über 50000 Zuschauer beiwohnten und dessen Schirmherr Baden-Württembergs Ministerpräsident Lothar Späth war. Am 19. April fand in Bad Dürrheim die Gründungsversammlung des „Verein Narrenschopf Bad Dürrheim" statt, bei der Martin Blümcke, Pfullingen, zum Vorstand, Walter Sieger Bad Dürrheim, zum stellvertretendenVorstand, Roland Wehrle, Furtwangen, zum Schriftführer und Guido Rebholz, Bad Dürrheim, zum Schatzmeister gewählt wurden. Der jeweilige Bürgermeister der Stadt Bad Dürrheim und der jeweilige Präsident der Vereinigung wurden satzungsgemäß „geborene" Vorstandsmitglieder. In der Herbstarbeitstagung am 25./26. Oktober in Rottenburg, wurde die Problematik „Fasnacht und Trachten", der Unsinn des Tragens von Fasnachtshäsern außerhalb der Fasnacht und die Finanzierung des Erweiterungsbaus des Narrenschopfs behandelt.

1981
Donaueschingen war Schauplatz der Hauptversammlung am 24./25. Januar, in der Werner Riegel, Aufen, zum neuen Schriftführer, in Personalunion mit dem Amt des Geschäftsführers, gewählt wurde. Roland Wehrle, Furtwangen, wurde in den Kulturellen Beirat berufen. Am 5. Juni erfolgte der erste Spatenstich zum ersten Erweiterungsbau des Narrenschopfs durch Vorstand Martin Blümcke, Präsident Karl Dilger und Bürgermeister Gerhard Hagmann. In der Herbstarbeitstagung am 24./25. Oktober in Löffingen konnte bereits über den Baufortschritt am Narrenschopf berichtet werden, aber auch über die beachtlichen Sachspenden und den Arbeitseinsatz einzelner Zünfte und Mitglieder an der Baustelle. Die Notwendigkeit, einen neuen Narrenschopfführer, in dem nicht nur eine Masken- und Häsbeschreibung der Ausstellungszünfte enthalten sein sollte, sondern auch deren Fasnachtsbräuche, wurde in Erwägung gezogen.

1982
Zell a.H. ist Gastgeber der Hauptversammlung am 22./ 23. Januar, in der das kommende Große Narrentreffen mangels Bewerbern nicht vergeben werden konnte. Es wurde für zukünftige Große Narrentreffen eine grundsätzliche Teilnehmerbeschränkung auf 150 Masken- und Hästräger einschließlich Narrenkapelle usw., ausgesprochen. Das Jahr ist gekennzeichnet von Bewältigungen innerer Probleme und persönlicher Querelen. Die Herbstarbeitstagung am 23./24. Oktober wird in eine außerordentliche Hauptversammlung umfunktioniert, nachdem sich ein Bewerber für das Große Narrentreffen 1984 gefunden hatte. Der Arbeitseinsatz und die Spendenbereitschaft der Zünfte zur Erstellung des Erweiterungsbaus des Narrenschopfs findet große Würdigung. Narrenschopf-Bausteine werden angeboten und dienen zur Finanzierung des Erweiterungsbaus.

1983
In der Hauptversammlung am 14./15. Januar in Meßklrch beginnt die von Horst Rössler, Hausach, initiierte „Narrenblechle-Aktion" zugunsten des Narrenschopfes Bad Dürrheim, ebenso aber auch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die von der Firma Kurmark unterstützt wurde. Der Narrenempfang beim Regierungspräsidium Freiburg wurde erstmals durchgeführt. Unter Leitung von Jürgen Hohl, Weingarten, wird der neue Narrenschopf eingerichtet und dekoriert. Am 17. September konnte der Erweiterungsbau, d.h. der zweite Kuppelbau mit der kleinen Verbindungshalle und Versorgungsräumen, den darunter liegenden Archiv- und Stapelräumen feierlich eingeweiht werden. Prof. Dr. Herbert Schwedt scheidet aus dem Kulturellen Beirat aus. Die Vereinigung verhandelt im Auftrag der südwestdeutschen Narrenverbände mit der GEMA. In der Herbstarbeitstagung am 22./23. Oktober in Triberg werden den im Narrenschopf ausstellenden Zünften vom Verein Narrenschopf Leihverträge zugestellt.

1984
In der Hauptversammlung am 14./15. Januar in Bad Waldsee wird Wolfgang Obleser, Gengenbach, als neuer Pressereferent eingeführt, die „Sommerfasnacht" scharf verurteilt und der Wunsch geäußert, die Herbstarbeit nicht in Form einer Hauptversammlung durchzuführen. Am 28./ 29. Januar zogen anläßlich des Großen Narrentreffens über 11 000 Masken-, Hästräger und Musikanten unter einem strahlend weiß-blauen Himmel durch die Inselstadt Lindau (Bodensee) an weit über 50000 Zuschauern vorbei. Das Treffen stand unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Franz Josef Strauß und wurde erstmals außerhalb der Grenzen Baden-Württembergs durchgeführt. Am 3./4. November konnte die Herbstarbeitstagung zusammen mit einer Feier zum 60jährigen Bestehen der Vereinigung in Stockach begangen werden, aus deren Anlaß eine Ausstellung über die Geschichte der Vereinigung stattfand, die Rudi Schlatter, Donaueschingen, organisierte. Der Entwurf einer Geschäftsordnung des Kulturellen Beirates wurde vorgelegt. Der Narrenschopf konnte über 37500 Besucher registrieren.

1985
In der Hauptversammlung in Bräunlingen am 11./12. Januar wurde die Geschäftsordnung des Kulturellen Beirats beschlossen und erlassen. Die Vereinigung umfaßt jetzt 66 Mitgliedszünfte. Eine Ehrenordnung sollte ausgearbeitet werden. Neun bestehende Narrenverbände gründeten eine „Gemeinschaft der Mitglieder der schwäbisch--alemannischen Narrenvereinigungen und -verbände in Südwestdeutschland", um als Vertragspartner der GEMA geschlossener auftreten zu können. Die Vereinigung spielte bei der Gründung dieser Gemeinschaft eine entscheidende Rolle. Die Herbstarbeitstagung am 26./27. Oktober in Möhringen war durch die Berichterstattung über dieVerhandlungen mit der GEMA geprägt.

1986
In der Hochrheinstadt Waldshut tagte die Hauptversammlung am 10./11. Januar in der eine verstärkte Werbung für den Narrenschopf beschlossen wurde, nachdem die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind. Die langdiskutierte Ehrenordnung wurde verabschiedet und in Kraft gesetzt und die Devise „Qualität vor Quantität" für Narrentreffen empfohlen. Horst Rössler Hausach, setzte eine neue „Narrenblechle-Aktion" in Gang. Im 60 Seiten starken Narrenbote wurde über unser Fasnachtsbrauchtum berichtet. Walter Sieger, Bad Dürrheim, tritt als Narrenschopfbeauftragter zurück, nachdem der Verein Narrenschopf Bad Dürrheim seinen Part übernommen habe. Die Vereinigung erhebt gegen die vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg vorgesehene Ferienordnung Protest, die in der Fasnachtswoche „Ski-Ferien" vorsah. Der Rahmenvertrag zwischen der Gemeinschaft südwestdeutscher Narrenvereinigungen und -verbände und der GEMA kam zum Abschluß. Bad Säckingen beherbergte am 25./26. Oktober die Mitgliedszünfte zur Herbstarbeitstagung, in der wiederum die Anzahl der Narrentreffen kritisiert wird; die Stärkung der örtlichen Fasnacht habe Vorrang.

1987
Bei der Hauptversammlung in Wangen/Allgäu am 16./ 17. Januar konnte bekanntgegeben werden, daß die Auflage des 64seitigen, nunmehr 10 Jahre erscheinenden Narrenboten auf 3500 Exemplare gesteigert werden konnte. Der Grundsatz, in jeder Fasnachtslandschaft dürfe, wenn überhaupt, nur höchstens ein Landschafts- oder Narrentreffen stattfinden, wurde verkündet. Horst Bäckert, Lindau (Bodensee) wird zum neuen Vizepräsidenten gewählt, Roland Wehrle, Furtwangen, schied aus dem Kulturellen Beirat aus, der nunmehr nur noch 5 Mitglieder umfaßte. Die Neufassung des § 29,2 der Straßenverkehrsordnung, die die Teilnahme von landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugen an Umzügen beinhaltet und gravierende Auflagen enthielt, konnte durch Aushandlung eines Kompromisses entschärft werden. Werner Riegel, Aufen und Horst Bäckert, Lindau (Bodensee), übernahmen vorübergehend die Aufgaben des Pressereferenten. Die Mitgliederversammlung des Vereins Narrenschopf wählte am 11. April Horst Rössler Hausach, zum neuen Schriftführer. Die Herbstarbeitstagung am 24./25. Oktober in Markdorf handelte in einem Fachvortrag die Problematik der „Besteuerung der Vereine" ab. Über die angelaufenen Arbeiten zur Neufassung des Narrenschopfführers wurde berichtet. Die jährlichen Besucherzahlen des Narrenschopfs pendelten sich bei 25000 Besuchern ein.

1988
Hüfingen war Austragungsort der Hauptversammlung am 15./16. Januar, in der zum neuen Pressereferenten Werner Engelsmann, Bad Säckingen, berufen wurde. Ein Modus für künftige Umzugsaufstellungen bei Großen Narrentreffen wurde festgelegt und eine Satzungsänderung beschlossen. Offenburg erlebte am 23./24. Januar das Große Narrentreffen, an dem wieder über 11 000 Umzugsteilnehmer, über 50000 Zuschauer und als Schirmherr Ministerpräsident Lothar Späth zu verzeichnen waren. Überschreitungen der auf 150 Umzugsteilnehmer am Großen Narrentreffen pro Zunft festgelegten Kontigentierungen wurden kritisiert. Der Ministerialerlaß über die Benutzung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen bei Umzügen trat in Kraft. Die inflationäre Entstehung von Hexengruppen in derschwäbisch-alemannischen Fasnacht wurde Anlaß des Beschlusses, generell in Mitgliedszünften keine Hexengruppen mehr zuzulassen, geschweige denn sie in die Vereinigung aufzunehmen. Kisslegg im Allgäu richtete am 22./ 23. Oktober die Herbstarbeitstagung aus, in der Probleme der Narrenschopfführung, aber auch negative Verhaltensweisen von Hexen- und Maskenträgern behandelt wurden. In Weingarten veranstaltete die Katholische Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart am 29./30. Oktoberein vielbeachtetes Seminar über die Fasnachtshexe. Rund 35000 Besucher erwiesen dem Narrenschopf ihre Referenz.

1989
Die Hauptversammlung in Tettnang am 14./15. Januar stand unter dem Zeichen von Neuwahlen. Präsident Karl Dilger der zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde und Schrift- und Geschäftsführer Werner Riegel, der Ehrenpräsidialmitglied wurde, nahmen ihren Abschied. Zum Präsidenten wurde Horst Bäckert, Lindau(Bodensee), zum neuen Vizepräsidenten Roland Wehrle, Furtwangen, und zum neuen Schriftführer Thomas Heitele, Riedlingen, gewählt; vom alten geschäftsführenden Präsidium blieb nur Säckelmeister Hans-Jörg Kaufmann, Stockach, im Amt. Willi Gehring, Offenburg, schied aus dem Kulturellen Beirat aus. Am 8. April wird erstmals eine Frühjahrssitzung des geschäftsführenden Präsidiums mit den Landschaftsvertretern als bleibende Einrichtung durchgeführt. Jährlich wechselnde, farbige Stimmkarten sollen für übersehbarere Abstimmungsergebnisse sorgen und die Herbstarbeitstagung wieder zu einer echten Arbeitstagung werden. Der nur noch vierköpfige Kulturelle Beirat wurde durch Aufnahme von Dr. habil. Werner Mezger, Rottweil, erweitert, somit das „wissenschaftliche Vakuum" beseitigt und beschlossen, daß jede Landschaft in ihm mit einem Mitglied vertreten sein sollte. Die Einräumung des Stimmrechts für die Landschaftsvertreter in Hauptversammlungen wurde verworfen. Am 14./15. Oktober führte Engen die Herbstarbeitstagung durch, in der in drei Vorträgen das „Hexen-Problem" aufgearbeitet wurde. Am 19. Oktober konnte der von Martin Blümcke verfaßte neue Narrenschopfführer in Bad Dürrheim vorgestellt werden. Im Narrenschopf wurden über 25000 Besucher registriert.