1990 bis 1999

1990
Geisingen rief am 20./21. Januar zur Hauptversammlung; Alois Krafczyk, Haslach, wurde in den Kulturellen Beirat berufen. Der Gastzunftstatus von Zünften, der satzungsmäßig nicht vorgesehen war, wurde aufgehoben; es kann demnach nur noch Mitglieder in der Vereinigung geben. Eine vorgenommene Satzungsänderung bestimmte, daß der jeweilige Vorsitzende des Vereins Narrenschopf als Narrenschopfbeauftragter Mitglied des Präsidium der Vereinigung sein sollte. Demnach wurde Martin Blümcke, Pfullingen, wieder ins Präsidium berufen. Interne Regelungen für die Närrischen Staatsempfänge in Stuttgart, die Narrenempfänge im Regierungspräsidium Freiburg und in den kommenden, neuen Narrenempfängen im Regierungspräsidium Tübingen wurde vorgenommen. In der Herbstarbeitstagung am 6./7. Oktober in Bad Dürrheim wurde das bevorstehende Ausscheiden von Hans Linder Hirrlingen, aus dem Kulturellen Beirat bekanntgegeben und die neue Amtskette des Präsidenten, eine Stiftung des Ehepaars Rössler, Hausach, vorgestellt. Dr. Werner Mezger, Kultureller Beirat, referierte über das Thema „Beharrung und Wandel in der Fasnacht". Der Gedanke, den Narrenschopf baulich noch einmal zu erweitern, wurde kundgetan. Am 13./14. Okt. fand in Weingarten wieder ein Seminar der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt, in der das Thema „Frauen in der Fasnacht" abgehandelt wurde. Am 17. November konnte in Stockach wieder eine Informationsveranstaltung über die Vereinsbesteuerung durchgeführt werden. Die jährlichen Besucherzahlen im Narrenschopf pendelten sich bei 25000 ein.

1991
Die Hauptversammlung in Ehingen am 10./11. Januar war überschattet durch die Golfkrise. In einer Presseerklärung bezog die Vereinigung Stellung zur Situation. Nach Ausbruch des Golfkrieges kam es durch Zugzwang zur Absage von Fasnachtsveranstaltungen, nachdem bereits im Vorfeld von Karnevalsvereinen ein Veranstaltungsverzicht kundgetan wurde. An den Tagen zwischen dem Schmotzigen Dunschtig und Aschermittwoch kam es zu „Spontanfasnachten" von einzelnen Narren und Zünften. Die „ausgefallene Fasnacht" regte an, intensiv über die Brauchform, den Sinn und Inhalt der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, aber auch über ihre Bedeutung im Jahresablauf nachzudenken. Die Publikation, „Als die Narren Trauer trugen", von Dr. Werner Mezger, gab Aufschluß über den gesamten „Ausfall-Komplex". Am 13. April werden erstmals die Brauchtumsbeauftragten der Zünfte zu einer Arbeitssitzung mit dem Kulturellen Beirat nach Furtwangen einberufen. Die Herbstarbeitstagung am 19./20. Oktober in Lindau war geprägt von der Aufarbeitung der ausgefallenen Fasnacht und dem Willen, den Narrenschopf noch einmal zu erweitern. Der Verfolgung dieses Zieles, unter Einschluß einer finanziellen Eigenbeteiligung aller Mitgliedszünfte, wurde zugestimmt.

1992
Bonndorf war am 18./19. Januar Veranstalter der Hauptversammlung, in der die Erweiterung des Narrenschopfes, einschließlich einer finanziellen Beteiligung der Mitgliedszünfte, beschlossen wurde. Ein Bauausschuß, dem Baufachleute aus allen acht Fasnachtslandschaften angehörten, wurde gegründet. Eine Mitgliederumfrage ergab, daß bei den 68 Mitgliedszünften jährlich über 55000 Häs-, Maskenträger und Musikanten bei Narrensprüngen teilnehmen, wovon rund 50000 Mitglieder der einzelnen Zünfte seien. Bad Cannstatt war Ausrichter des Großen Narrentreffens am 1./2. Februar das über 11 000 Umzugsteilnehmer, 250000 Zuschauer, 3 Schirmherren (Ministerpräsident Erwin Teufel, Ministerpräsident a. D. Lothar Späth und Oberbürgermeister Manfred Rommel) und erstmals eine hervorragende Darstellung unseres Fasnachtsbrauchtums bei einem Brauchtumsabend auf der Bühne, sowie eine Live-Übertragung durch das SDR-Fernsehen, registrieren konnte. Saulgau bat am 11. April die Brauchtumsbeauftragten der Zünfte zur gemeinsamen Sitzung mit dem Kulturellen Beirat, um das von Dr. Werner Mezger vorgetragene Thema, „Ursprünge der Fasnacht" abzuhandeln. Am 26. Juni erfolgte durch den Präsidenten der Vereinigung, Horst Bäckert, und den Vorstand des Vereins Narrenschopf, Martin Blümcke, unter den kritischen Blicken von Bürgermeister Hagmann, Bad Dürrheim, der erste Spatenstich für den zweiten Erweiterungsbau des Narrenschopfs. In der Zeit vom 2. bis 4. Oktober führte das Präsidium der Vereinigung und der Vorstand des Vereins Narrenschopf die erste gemeinsame Kulturfahrt durch, die zum „Musee International du Carneval et du Masque" nach Binche, Belgien, führte. In der Herbstarbeitstagung am 24./25. Oktober in Triberg konnte sowohl über den erfreulichen Baufortschritt am Erweiterungsbau des Narrenschopfs, als auch über Sicherungen seiner Finanzierung berichtet werden. Der Kulturelle Beirat wurde personell durch Wulf Wager, Bad Cannstatt, Hartwig Mahlke, Sigmaringen und Heinz-Peter Lauinger, Radolfzell, erweitert. Dem Thema, „Kinder in der Fasnacht", abgehandelt von Dr. Werner Mezger wurde große Beachtung geschenkt. Am 11. November konnte das interne Richtfest am Narrenschopf gefeiert werden. Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart lud am 14./15. November wieder nach Weingarten ein, wo das Thema „Närrisch sein - organisiert oder spontan" behandelt wurde. Der Narrenschopf erfreute sich an 27000 Besuchern.

1993
Unter dem Hohentwiel in Singen, fand am 16./17. Januar die Hauptversammlung statt, in der von den großartigen Arbeitseinsätzen einiger Zünfte am und im Narrenschopf, aber auch dem fast vollständigen Eingang der Finanzierungsbeiträge der Mitgliedszünfte berichtet werden konnte. Der Narrenbote erschien termingemäß mit 54 Seiten, wie im Vorjahr dank Daimler-Benz AG, sowie weiterer Spenden. Fix-Termine für Hauptversammlungen und Herbstarbeitstagungen bis zum Jahre 2000 werden festgelegt. Ein Arbeitsausschuß „Versicherungen" wurde gebildet. Eine neue, von Martin Blümcke ausgewählte Musikkassette mit Narrenmärschen und -liedern konnte vorgestellt werden. Am 7. Februar wurde der Narrensprung des Landschaftstreffens Oberschwaben-Allgäu aus Bad Waldsee vom SDR-Fernsehen live übertragen. Die Berufung von Prof. Dr. Gottfried Korff, Tübingen, Ludwig-Uhland-Institut, vervollständigte die personelle Besetzung des Kulturellen Beirats. Am 27. März konnte die Mitgliederversammlung des Vereins Narrenschopf mit dem offiziellen Narrenschopf-Richtfest verbunden werden. Am 24. April tagten die Brauchtumsbeauftragten der Zünfte mit dem Kulturellen Beirat in Rottenburg, wo der Dia-Vortrag von Günter Schenk, Mainz, „Gemeinsame Wurzeln der Fasnacht und des Karnevals in Europa" eine positive Diskussion auslöste. Anläßlich der Herbstarbeitstagung am 9./10. Oktober konnte berichtet werden, daß bisher 21 Zünfte durch Arbeitseinsätze am Erweiterungsbau des Narrenschopfes, aber auch einige namentlich genannte Einzelnarren tätig waren. Prof. Dr. Korff behandelte das Thema „Fasnachtstourismus unserer Zünfte", das durch ein zweites Referat von Dr. Werner Mezger ergänzt wurde. Die Kulturfahrt am 15. bis 17. Oktober führte das Präsidium der Vereinigung und die Vorstandschaft des Vereins Narrenschopf nach Kitzingen in das „Deutsche Fasnachtsmuseum". Die Bauarbeiten am Narrenschopf wirkten sich auf die Besucherzahl aus, es konnten nur deren 19000 registriert werden.

1994
Bad Dürrheim war am 14./15. Januar wieder einmal Ausrichter der Hauptversammlung, die die Möglichkeit bot, einen ersten Eindruck des gelungenen Narrenschopf-Erweiterungsbaus zu gewinnen. Der Firma BAT Kurmark wurde offiziell für die langjährige Unterstützung gedankt und über die Vorbereitungen zur ersten Sonderausstellung im Narrenschopf, „70 Jahre Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte" berichtet. Am 30. Januar erfolgte im SDR-Fernsehen die Live-Übertragung des Narrensprungs in Offenburg anläßlich des 150jährigen Jubiläums der Althistorischen Narrenzunft und am 6. Februar die des Landschaftstreffens in Hirrlingen. Am 19. März konnte die Mitgliederversammlung des Vereins Narrenschopf mit der Einweihung des Erweiterungsbaus des Narrenschopfs unter Anwesenheit von Ministerpräsident Erwin Teufel verbunden werden. Damit konnte der dritte Kuppelbau, der wegen der Unterbringung des Archivs voll unterkellert wurde, die neue Eingangshalle mit Toilettenanlagen und Versorgungsräumen ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Einweihungsfeier war geprägt durch die Abstattung des Dankes an alle, die an diesem Werk beteiligt waren, insbesondere an den Architekten, Guido Rebholz, die Mitglieds- und Ausstellungszünfte für die Baukostenzuschüsse, Sonderleistungen in Form von zusätzlichen Geldspenden und vor allem auch für die hervorragenden Arbeitseinsätze, die von 29 Zünften und vielen Einzelnarren erbracht wurden, aber auch an alle Institutionen und Unternehmungen, die durch Zuschüsse und Spenden halfen, dieses Ziel zu erreichen. Stellvertretend für viele konnte insbesondere dem Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, ErwinTeufel, und dem Bürgermeister von Bad Dürrheim, Gerhard Hagmann, gedankt werden. Am 16. April fanden sich die Brauchtumsbeauftragten der Zünfte mit dem Kulturellen Beirat in Meersburg ein, wo die Themen „Brauchtum am Sonntag Lätare (4.Fastensonntag)" durch Alois Krafczyk, Haslach, und „Fasnacht und Fernsehen" durch Dr. Werner Mezger, Rottweil, zur Diskussion gestellt wurden. Sehr große Aufmerksamkeit wurde in der Herbstarbeitstagung am 8./9. Oktober in Schramberg wieder der bevorstehenden Ausstellung gewidmet, aber auch dem Thema „Fasnacht auf Abwegen", in dem sich Dr. Werner Mezger kritisch mit abartigen Erscheinungsformen in der Fasnacht auseinander setzte. Am 29. bis 31. Oktober wird das Präsidium der Vereinigung und die Vorstandschaft des Vereins Narrenschopf ihre Kulturfahrt zur Tiroler Fasnacht nach Imst durchführen und am 19./20. November die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Seminar über dem Themenkreis „Fasnacht an Bildschirmen" anbieten. Am 26. November wird die erste Sonderausstellung im neuen Narrenschopf eröffnet werden, die sich der 70jährigen Geschichte der Vereinigung widmet, die nunmehr 68 Mitgliedszünfte umfaßt.

1995
Mit der Hauptversammlung in Radolfzell nahm das Jahr einen guten Anfang. Traurig endete das Jahr im Dezember durch das plötzliche Ableben des beliebten und unvergessenen Präsidenten Horst Bäckert, Lindau.

1996Neuer Präsident wird der bisherige Vizepräsident Roland Wehrle. Das große Narrentreffen findet in Waldkirch statt.

1997
In diesem Jahr fiel die Entscheidung, die neuen Medien, insbesondere das Internet, für die Vereinigung zu nutzen.

1998
Auf die Vereinigung kommen immer mehr besondere verbandsspezifische Verpflichtungen zu. So muss sie, wenn sie als Referenz für fachliche Probleme ernstgenommen werden will, mittels qualifizierter Aussagen zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht Positionen abstecken und diese gegenüber den nachfragenden in- und ausländischen Medien, d.h. in der Öffentlichkeit, auch glaubwürdig vertreten. Hinzu kommen verstärkt die Interessensvertretung gegenüber Behörden, anderen Verbänden und Institutionen, der Interneteinstieg, der Aufbau des Zentralarchivs zusammen mit dem Informationszentrum und der Geschäftsstelle im Narrenschopf Bad Dürrheim als Zentrum der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Die Einrichtung der 1. Internationalen Narrenbörse im Narrenschopf, Sonderausstellungen sowie der von der Vereinigung zu vergebende Forschungspreis sind weitere wichtige Aufgaben, die bewältigt werden müssen, damit sich die Vereinigung als schlagkräftiger und ernstzunehmender Verband in der Gegenwart behaupten kann.

1999
Das 75. Verbandsjubiläum verlangt den Einsatz aller. In Stockach finden die Jubiläumsfeierlichkeiten statt. Ebenso erfordern die Herausgabe des das Jubiläum begleitenden Buchs zur organisierten schwäbisch-alemannischen Fastnacht und diejenige der ersten CD mit einer Auswahl schwäbisch-alemannischer Narrenmärsche alle Kräfte der Vereinigung. Ein Betriebs- und Organisationskonzept für das Narrenschopf-Fastnachtsmuseum wird entwickelt und soll verwirklicht werden. Die Vorbereitung des Großen Narrentreffens 2000 in Wangen im Allgäu rundet das Jahr ab.