Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
Bajass / Hanswurst / Harlekin

Das europäische Fastnachtsspiel in Mittelalter und Renaissance hat das Seine dazu beigetragen. Narrengestalt, die auch von der commedia dell’ arte, dem italienischen Volkstheater, geprägt wurde und vom englisch-holländischen Hanswurst. War besonders im 18. und 19. Jahrhundert beliebt. Trägt oft gekräuselten weißen Kragen und ein weißes Gewand. Lebt heute zum Beispiel im Endiger Jokeli oder im Villinger Narro, einem Weißnarren, weiter. Besonders interessant ist der Harlekin, der sich bis zu Tod und Teufel zurückverfolgen lässt.

Bauernfastnacht / Herrenfastnacht / Alte

Diese Bezeichnungen leiten sich vom Beginn der Fastenzeit ab, also davon, wann welche Bevölkerungsgruppe mit dem Fasten begann. Im Mittelalter fingen die Kleriker (Herrenfastnacht) eine Woche vor Aschermittwoch damit an, die Bauern fasteten nach altem Herkommen erst an Aschermittwoch, am darauffolgenden Freitag und dann voll ab Montag Invokabit. Sie waren also spät dran: Alte Fastnacht, Bauernfastnacht. Auch hat der Zeitunterschied zwischen Julianischem Kalender bei den Evangelischen und Gregorianischem bei den Katholiken verschiedene Fastnachtsbeginne hervorgebracht. Denn es gibt auch evangelische Fastnachten, nehmen wir einmal Basel oder das Markgräflerland. Und die können es verheben, sie sind später dran.

Blätzle / Fleckle / Spättle / Fotzli / F

Besonders am Bodensee, aber auch im Schwarzwald und in der Schweiz verbreitet. Am See trägt es eine Stoffmaske, im Schwarzwald eine solche aus Holz. Das Häs besteht aus kleinen vielfarbigen und - förmigen Stoffläppchen oder Wollfäden, die auf ein Leinengewand aufgenäht sind. Könnte sich aus einer Verkleidung mit Flechten und Ästen herausentwickelt haben. Könnte. Es werden aber auch Fischschuppen und Kettenhemden ins Spiel gebracht. Wer’s weiß, kriegt einen Taler!

Brauch

Der Brauch betrifft nicht nur die Fastnacht. Von einem Brauch spricht man, wenn eine abgegrenzte Handlung nach gewissen Regeln regelmäßig wiederholt und von einer bestimmten, darüber informierten Menschengruppe ausgeführt wird. Bräuche treten auf den verschiedensten Gebieten auf und sind stets in Gefahr, ihren Sinn zu verlieren aber trotzdem eisern weitergeführt zu werden, „wie’s halt der Brauch ischdt“. Manchmal wandeln sie sich auch, zum Entsetzen mancher, die ganz genau wissen, wie es geht und immer gegangen ist. Wemme numme wüsst, wo si s einigsch hèr hänn.

Bräuteln

Beim Bräuteln wurden die im vorigen Jahr neuverheirateten Ehemänner von den ledigen Burschen am Fastnachtsdienstag auf einer Stange bei Trommeln und Pfeifen um den Ortsbrunnen getragen und dabei mehr oder minder großzügig Esswaren ausgeworfen. Die selbe Ehre wurde auch den Hochzeitsjubilaren zuteil. Dem Bräuteln ging einige Tage vorher eine feierliche Einladung voraus. Der Brauch wird noch heute praeter propter gleich praktiziert, aber die Stange ist gepolstert! Da rümpft das 17. Jahrhundert die gepuderte Nase, nimmt eine Prise Schmalzler und spricht gravitätisch: „Weicheier!“ ... Wer jetzt? ... Bekannt dafür sind im Bereich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht Haigerloch und Sigmaringen.

Bromiger Freitag / Rußiger Freitag

Freitag nach dem Schmutzigen Donnerstag. Der Tag wird aber in gut christlichen Orten nicht fastnächtlich begangen, da am Freitag Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, der Freitag also ein Trauertag ist. Deshalb auch wurde früher am Freitag gefastet. Juhuu!!? Erinnert sich noch jemand dran?

Brunnenspringen

Denjenigen Männern, die zuletzt geheiratet hatten, war früher erlaubt, mehrmals in den örtlichen Brunnen zu springen, aus welchem Grund auch immer. Wir wollen es nicht vertiefen. Dieser Brauch gehört aber wohl in den Bereich der Riten, die mit Wasserverehrung, Mannbarkeit und Reinigung verbunden sind. Munderkingen pflegt diesen Brauch noch heute und ist dafür in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht herausragendes Beispiel. Verwandt: das Gautschen bei den Buchdruckern (alem. gäutschè = pflatschen, plappern).

Butz

Verkleidet gehender Fastnachter, der leicht zum Batz werden kann. Auch: Butzèmummel. Letzterer kommt gern bei Bräuchen außerhalb der Fastnacht vor, wie viele andere Maskenträger, die es oft vorziehen, in Stroh gekleidet zu gehen.