Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
Faiße

Am Hochrhein Hochtage der Fastnacht, die „fetten Donnerstage“. Es handelt sich um die drei Donnerstage vor der Fastnacht, die locker durchnummeriert werden: Erster, Zweiter, Dritter Faißer (Donnerstag). Der Schmutzige Donnerstag wäre also der Dritte Faiße. Da flutscht’s.

Fastenzeit

Im christlichen Jahreskreis eine Besinnungszeit vor Ostern, in der gewisse Ess- und sonstigen Praktiken als nicht passend angesehen, verboten sind. Vor ihrem Beginn steht zur Erleichterung die Fastnacht. Diese war beliebter Heiratstermin. Angeblich wurde da die Gelegenheit genutzt, in lockerer Stimmung die Fastnachtskinder zu zeugen, wovon im Oktober oder so, ein Geburtenboom zeuge. Frühe Babyboomer also. Schaut der Wissenschaftler zufällig in die Quellen (Kirchenbücher), so merkt er, dass das gar nicht so recht stimmt. Dann bleibt nur noch die Röhre zum Reinschauen.

Fastnacht / Fasnacht / Fasnet / Fasent /

Schwellenfest vor Beginn der Fastenzeit, Nacht vor den Fasten. An diesem Tag wurden die in der Besinnungszeit verbotenen Speisen vertilgt: Fleisch, Eier, Fett, Alkohol etc. So entstanden auch die fetten Fastnachtsküchlein und sonstigen üppigen Fastnachtsspeisen. Die Metzger mussten Gelegenheit bekommen, während der 40 Fastentage finanziell überleben zu können, d. h. sie hatten das Vorrecht, die Fastnacht mit ihren Waren zu beliefern, das Fest zu organisieren und so noch einmal Geld einzunehmen. Ein Fress- und Sauffest mit Verkleidung, derbem Spaß und sonstiger Ausschweifung. Der Tag wurde auch zum beliebten Hochzeitstermin. Da die Fastenzeit nicht angenehm war, kann man die Fastnacht, das Fest der Aufhebung der normalerweise geltenden Regeln, das Ausleben der Verkehrten Welt, auch als Sozialventil ansehen. Romantische Namensherleitungen wie „Faselnacht“, also fruchtbare Samennacht, haben sich mittlerweile etwas abgenutzt. Wiewohl man nicht darüber hinweg sehen sollte, dass die Fastnacht von der christlichen Kirche nicht gemocht worden ist und kaum instrumentiert, und dies nicht ohne Grund. Sie hat die Fastnacht stets bekämpft, dagegen angepredigt und verboten. Die Kirche nämlich wusste genau, was sich alles hinter diesem Fest versteckt(e) und suchte immer mit Nachdruck dagegen vorzugehen. Die endlos sich durch die Zeiten hinziehenden Fastnachtsverbote bestehen nicht von ungefähr: Der Narr als Dämon, egal welcher Provenienz, Vertreter der linken Welt, des absolut Bösen. Die Fastnachtszeit beginnt im Schwäbisch-Alemannischen am Dreikönigstag, am Schmutzigen Donnerstag fängt dann die hohe Fastnachtsaktivität an. Diese umfasst nachfolgend theoretisch Bromigen Freitag, Fastnachtssamstag, Fastnachtssonntag, Fastnachtsmontag (im Rheinischen Rosenmontag), Fastnacht(sdienstag), um am Abend vor Aschermittwoch zu enden. Aber auch nur theoretisch, denn jeder Flecken hat seine eigenen Ansichten oder Traditionen. Je nach Region und Ortschaft gibt es eben auch Nachzüglerveranstaltungen am Aschermittwoch oder Fastnachtsfeuer, in der Regel am Sonntag Invocavit (eine Woche nach dem Fastnachtssonntag), Narrenbaumversteigerung usw. Ein regionales Phänomen, besonders im evangelischen südbadischen Markgräflerland, ist die Bauernfastnacht, die meist eine Woche nach Fastnachtssonntag abläuft. (Die kommen hinterher „wiè d alt Fâsnacht“.) Auch der Hirschmontag (Hutmontag, Tschäbberliméndig) wird am Montag nach Aschermittwoch da und dort noch wieder gepflegt, zum Beispiel in Furtwangen. Am Dienstagabend aber laufen die Endbräuche der Fastnacht ab, wie Fastnachtsverbrennen oder –versäufen, Kehraus usw. Fastnacht ist außerdem: Immerwährendes und beliebtes Thema zum toleranten und abgeklärten Austausch der verschiedensten kulturellen Gewissheiten.

Fastnachtsdienstag

Der eigentliche kalendarische Fastnachtstag. Das Vorfest vor dem Aschermittwoch, ein Schwellenfest also, Nacht vor den Fasten, Fastnacht..

Fastnachtsfeuer / Funken(feuer) / Scheib

Am Sonntag Invocavit meist, werden auf den Höhen um die Fastnachtsorte große Feuer entzündet, in denen Holzscheiben auf biegsame Stecken gesteckt (drum heißt’s „Stecken“), glühend gemacht und dann über eine Rampe ins Tal geschlagen werden, stets begleitet von einem lieben Spruch für einen lieben Menschen, wie Pfarrer, Bürgermeister oder spätere Ehefrau bzw. künftigen Ehemann. Beliebter Sport bei der Jugend umliegender Orte ist das vorzeitige Abbrennen des Konkurrenzhaufens. Kommt noch vor, nicht nur im Geschäftsleben, und kann zu Zerwürfnissen führen.

Fastnachtsspiel / Theater

Alter Brauch, an der Fastnacht ein Theater aufzuführen, das sich mit weltgeschichtlichen Themen befasst, aber auch Örtliches abhandelt. Manche können dies das ganze Jahr. Dieses Fastnachtstheater war besonders im 19. Jahrhundert weit verbreitet und beliebt. Es wird vereinzelt bis heute in manchen Orten wie zum Beispiel Haslach im Kinzigtal gepflegt. Tritt hin und wieder auch als Hexenprozess auf, was jedoch, merke!, einen geschickten Autor verlangt.

Fastnachtsverbrennen

Fastnachtsendbrauch am Fastnachtsdienstagabend. Die Fastnacht und damit die Sünde wird symbolisch verurteilt und verbrannt und damit beendet. Hat nichts mit der mittelalterlich-neuzeitlichen Hexenverbrennung zu tun. Andererseits doch, wenn man bedenkt, dass man die armen Sünderinnen einäscherte, um sie, zu ihrem Heil und eigenem Besten, an weiterem Irren zu hindern. Anderntags jedenfalls heißt es am Aschermittwoch: „Memento moriendum esse!“, von schreibfaulen Mönchen zu „Memento mori!“ verstümmelt, da sie es allbott niederkritzeln mussten. (Denk daran, dass du über kurz oder lang tot bist, und deine Spuren allenfalls im Archiv, wenn du brav bist, abgelegt werden. Und dort ruht schweigend Feind an Feind, friedlich in Ewigkeit vereint. Die Freunde liegen etwas weiter, jedoch auch diese nicht mehr heiter.)

Fastnachtsverse / Fastnachtslieder

Es existiert eine Unzahl an Narrenversen und Liedern, die seit eh und je an Fastnacht von Kindern (beim Heischen) und von Erwachsenen (beim Liedlisingen in den Wirtschaften oder beim Trunke) vorgetragen werden. „Hoorig isch diè Katz!“ und „D Mülleri het!“ usw. Manchmal unklaren Sinnes.

Fuchsschwanz

Am Narrengewand getragenes Accessoire [ack/ßeßwáár], das fälschlich als Zeichen eigener überlegener Schläue des Narren ausgegeben wird. Klingt gut, ist aber falsch. Der Narr trägt den Schwanz, weil dieser im Mittelalter als Zeichen der Falschheit und Durchtriebenheit Leute kennzeichnete, die nicht nach Gottes Ebenbild, so wie man es sich vorstellte, handelten, waren oder dachten: Körperlich und geistig Behinderte, Juden, Mohammedaner, Andersgläubige oder - liebende, Freigeister oder solche, deren Nase nicht derjenigen Gottes glich, von der man immer genau wusste, wie sie aussieht und oft heute noch weiß. Narren halt. Und im Mittelalter kennzeichnete man so gern wie heute. Jeder Stand trug sein Zeichen und seine Kleidung, damit klar war, wen Gott wo hingestellt hatte. Die einen trugen es gern, die anderen weniger. Die Französische Revolution hat damit aufgeräumt, wenigstens äußerlich. Allez, allez!

Fuhrmannskittel

Einfacher blauer Handwerkerkittel früherer Zeiten, stereotyp mit weißen Ornamenten geschmückt. Wird gern von älteren Herren, die mit pfundschwerem Gschell nicht mehr stundenlang juckend durch die Gegend hopsen können, als glockenloses - oje - Häs bevorzugt. Kommt aber auch sonst als Teil von Narrengewandungen vor.