Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
S wie S gôht drgégè. Es geht dagegen.

Wir können alles außer Hochdeutsch. Macht nix! Es hört eh keiner zu. Also: Der Ruf „s gôht drgégè!“ gehört so eng zur Fastnacht wie Kassandra glatt der Ehegespons vom Rufer in der Wüste sein könnte. Wieso? Weil in fastnachtsfreier Zeit, fern jeder Freude, der einsame Narr in dürrer Fest-Wüste schmachtend, den Blick starr zum Horizont gerichtet (deshalb nicht sehend, dass um ihn herum ein Event das andere jagt) diesen hoffnungstragenden Ausspruch tut, halt eben wie ein verdurstender Wüstenreisender „Wasser“ lispelt. Andere schnippelten Maßbänder ab, wie jene, die ihrer martialischen Staatsbürgerpflicht als Spießträger überdrüssig, so die Tage bis zum fohen Abschied markierten. Heute aus der Mode gekommen, die Panem-et-circenses-Fraktion lässt grüßen. Wie auch immer, ein aufbauendes Ereignis wird sehnlichst erwartet, ja geradezu herbeigehext. Ein wortzauberisch aufbauender Spruch also, der den Schmachtenden daran erinnern soll, dass er ganz sicher bald wieder Fastnacht machen darf. Zwischen dem sechsten Januar und Fastnachtsdienstag 24.00 Uhr bitte im Schwäbisch-Alemannischen. Aber was soll’s? Am Aschermittwoch um 00.00 Uhr ... na, was? ... gôht s nodüürlig widr degégè! Alles klar?

Saubloder

Es handelt sich dabei um die Harnblase des Schweins, die, ausgekocht und aufgeblasen, an einen Stecken gebunden als Neckinstrument und Krachmacher verwendet wird. Ein schlagendes Symbol für die Todsünde der Eitelkeit: aufgeblasenes hohles Nichts, das zuweilen auch stinkt.

Schellen / Glocken / Rollen

Von Narren getragene Lärminstrumente. Sie können in Form von runden Rollen oder in erhabener Glockenform auftreten, mitunter als Pärchen. Wie die anderen Krachmacher Rätschen, Pritschen, Peitschen, Kläpperle usw. symbolisieren sie die irdische Disharmonie, das Hässliche, Falsche und Unvollkommene im Gegensatz zur himmlischen Harmonie, dem Wahren, Schönen, Guten. Natürlich erfüllen sie dem Narren auch den Zweck, ganz einfach ein infernalisches Krachspektakel veranstalten zu können. Außerdem wohl Zeichen der Eitelkeit, aus der höfischen Mode des Mittelalters in die Fastnacht gesunken. Und vielleicht vertreiben sie ja auch böse Geister. Doch, wenn man sich die Welt so ansieht, ist dies wenig wahrscheinlich. Lauter schellen, ihr Narren!

Scheme / Larve / Maske

Im Germanischen bzw. Deutschen gibt es kein ursprüngliches Wort für die Gesichtsverkleidung. Offenbar war das Bedürfnis nach Umsicht groß. Hat sich inzwischen aber gelegt. Die Herkunft des Wortes Maske, Larve oder Scheme wird aus dem Lateinischen genommen und mit dem schemenhaft Gespenstischen in Verbindung gebracht. Kleines Aperçu am Rande: Da die „Scheme“ mit Ölfarbe bemalt wurde und teils noch wird, ist es interessant darauf hinzuweisen, dass im Hebräischen „Öl“ „schemen“ [nmsch] heißt. Folgerungen aus dieser Tatsache bleiben der hypothetisierenden Fantasie überlassen, haben aber durchaus ihren Reiz, den wir nicht missen wollen.

Schlüsselübergabe / Rathaussturm

Die Schlüsselübergabe ist Symbol einer als verkehrt empfundenen Welt, wenn angeblich einmal im Jahr nur für kurze Zeit die Narren regieren. Manch entmachteter gestandener Bürgermeister, zählt er klaren Sinnes die Häupter seiner ihn oben und unten, links und rechts umgebenden Lieben, wäre manchmal froh, er könnte ganz einfach vergessen, den Schlüssel wieder abzuholen. Der aber kommt immer wieder gnadenlos zurück.

Schmutziger Donnerstag / Glompiger Donne

Donnerstag der Woche vor Fastnacht. Ein Hochtag im Schwäbisch-Alemannischen. Das alemannische Wort „Schmutz“ bedeutet „Kuss“ aber auch „Fett“. Auf erstere Bedeutung wird viel zuwenig hingewiesen. An diesem Tag ist der Anfang des Verzehrens fetter Fastnachtsspeisen und Steigerung anderer Lustbarkeiten. Am frühen Morgen wird oft durch Katzenmusik oder ähnliches geweckt. Schwäbische Namensausprägungen sind Auseliger Donnerstag (Unseliger Donnerstag) und Glompiger Donnerstag (wohl gompiger Donnerstag von alem.-schwäb. gumpe / gompe d.h. springen, engl. to jump).

Schneckenhäuslein

Schnäggähüüsly, Symbol von Geilheit und Verfressenheit, zweier nicht unbeliebter Todsünden. Es kann oft an Narrengewändern gesehen werden, ein Narrenattribut. Nach dem Strählen zieht sich mancher Narr in es zurück.

Streckschere / Neckinstrumente

Manchmal meterlanges und mittels raffinierter Konstruktionen am Körper abgestütztes, ausfahrbares Instrument zum Necken der Mitmenschen während der Fastnacht. Kann außer als Genickzwickapparat auch zum Überreichen von Gaben oder Holen von Hüten dienen. Beim Publikum sehr beliebt. Ebenso wie die Pritsche, ein Schlaginstrument aus Lamellen bestehend, die beim Draufhauen einen satten Ton abgeben. Hier hängt die Beliebtheit von der Durchzugskraft des Narren und der Weltsicht des Gepritschten ab. Auch der einfältige Hexenbesen kann vielfältig zum Necken eingesetzt werden. Erfreut sich besonders großer Beliebtheit im Nacken, wenn er schon tagelang im Straßenkot herumgezogen worden ist.