Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
Elfter Elfter / St. Martin

Der St. Martinstag war Schwellenfesttag vor der früher gepflegten vorweihnächtlichen Fastenzeit, wie die Fastnacht Feier vor den Osterfasten ist. Reste sind in den Handlungen des 11. 11. 11 Uhr 11 zu erahnen.

Faiße

Am Hochrhein Hochtage der Fastnacht, die „fetten Donnerstage“. Es handelt sich um die drei Donnerstage vor der Fastnacht, die locker durchnummeriert werden: Erster, Zweiter, Dritter Faißer (Donnerstag). Der Schmutzige Donnerstag wäre also der Dritte Faiße. Da flutscht’s.

Fastenzeit

Im christlichen Jahreskreis eine Besinnungszeit vor Ostern, in der gewisse Ess- und sonstigen Praktiken als nicht passend angesehen, verboten sind. Vor ihrem Beginn steht zur Erleichterung die Fastnacht. Diese war beliebter Heiratstermin. Angeblich wurde da die Gelegenheit genutzt, in lockerer Stimmung die Fastnachtskinder zu zeugen, wovon im Oktober oder so, ein Geburtenboom zeuge. Frühe Babyboomer also. Schaut der Wissenschaftler zufällig in die Quellen (Kirchenbücher), so merkt er, dass das gar nicht so recht stimmt. Dann bleibt nur noch die Röhre zum Reinschauen.

Fastnacht / Fasnacht / Fasnet / Fasent /

Schwellenfest vor Beginn der Fastenzeit, Nacht vor den Fasten. An diesem Tag wurden die in der Besinnungszeit verbotenen Speisen vertilgt: Fleisch, Eier, Fett, Alkohol etc. So entstanden auch die fetten Fastnachtsküchlein und sonstigen üppigen Fastnachtsspeisen. Die Metzger mussten Gelegenheit bekommen, während der 40 Fastentage finanziell überleben zu können, d. h. sie hatten das Vorrecht, die Fastnacht mit ihren Waren zu beliefern, das Fest zu organisieren und so noch einmal Geld einzunehmen. Ein Fress- und Sauffest mit Verkleidung, derbem Spaß und sonstiger Ausschweifung. Der Tag wurde auch zum beliebten Hochzeitstermin. Da die Fastenzeit nicht angenehm war, kann man die Fastnacht, das Fest der Aufhebung der normalerweise geltenden Regeln, das Ausleben der Verkehrten Welt, auch als Sozialventil ansehen. Romantische Namensherleitungen wie „Faselnacht“, also fruchtbare Samennacht, haben sich mittlerweile etwas abgenutzt. Wiewohl man nicht darüber hinweg sehen sollte, dass die Fastnacht von der christlichen Kirche nicht gemocht worden ist und kaum instrumentiert, und dies nicht ohne Grund. Sie hat die Fastnacht stets bekämpft, dagegen angepredigt und verboten. Die Kirche nämlich wusste genau, was sich alles hinter diesem Fest versteckt(e) und suchte immer mit Nachdruck dagegen vorzugehen. Die endlos sich durch die Zeiten hinziehenden Fastnachtsverbote bestehen nicht von ungefähr: Der Narr als Dämon, egal welcher Provenienz, Vertreter der linken Welt, des absolut Bösen. Die Fastnachtszeit beginnt im Schwäbisch-Alemannischen am Dreikönigstag, am Schmutzigen Donnerstag fängt dann die hohe Fastnachtsaktivität an. Diese umfasst nachfolgend theoretisch Bromigen Freitag, Fastnachtssamstag, Fastnachtssonntag, Fastnachtsmontag (im Rheinischen Rosenmontag), Fastnacht(sdienstag), um am Abend vor Aschermittwoch zu enden. Aber auch nur theoretisch, denn jeder Flecken hat seine eigenen Ansichten oder Traditionen. Je nach Region und Ortschaft gibt es eben auch Nachzüglerveranstaltungen am Aschermittwoch oder Fastnachtsfeuer, in der Regel am Sonntag Invocavit (eine Woche nach dem Fastnachtssonntag), Narrenbaumversteigerung usw. Ein regionales Phänomen, besonders im evangelischen südbadischen Markgräflerland, ist die Bauernfastnacht, die meist eine Woche nach Fastnachtssonntag abläuft. (Die kommen hinterher „wiè d alt Fâsnacht“.) Auch der Hirschmontag (Hutmontag, Tschäbberliméndig) wird am Montag nach Aschermittwoch da und dort noch wieder gepflegt, zum Beispiel in Furtwangen. Am Dienstagabend aber laufen die Endbräuche der Fastnacht ab, wie Fastnachtsverbrennen oder –versäufen, Kehraus usw. Fastnacht ist außerdem: Immerwährendes und beliebtes Thema zum toleranten und abgeklärten Austausch der verschiedensten kulturellen Gewissheiten.

Fastnachtsdienstag

Der eigentliche kalendarische Fastnachtstag. Das Vorfest vor dem Aschermittwoch, ein Schwellenfest also, Nacht vor den Fasten, Fastnacht..

Fastnachtsfeuer / Funken(feuer) / Scheib

Am Sonntag Invocavit meist, werden auf den Höhen um die Fastnachtsorte große Feuer entzündet, in denen Holzscheiben auf biegsame Stecken gesteckt (drum heißt’s „Stecken“), glühend gemacht und dann über eine Rampe ins Tal geschlagen werden, stets begleitet von einem lieben Spruch für einen lieben Menschen, wie Pfarrer, Bürgermeister oder spätere Ehefrau bzw. künftigen Ehemann. Beliebter Sport bei der Jugend umliegender Orte ist das vorzeitige Abbrennen des Konkurrenzhaufens. Kommt noch vor, nicht nur im Geschäftsleben, und kann zu Zerwürfnissen führen.

Fastnachtsspiel / Theater

Alter Brauch, an der Fastnacht ein Theater aufzuführen, das sich mit weltgeschichtlichen Themen befasst, aber auch Örtliches abhandelt. Manche können dies das ganze Jahr. Dieses Fastnachtstheater war besonders im 19. Jahrhundert weit verbreitet und beliebt. Es wird vereinzelt bis heute in manchen Orten wie zum Beispiel Haslach im Kinzigtal gepflegt. Tritt hin und wieder auch als Hexenprozess auf, was jedoch, merke!, einen geschickten Autor verlangt.

Fastnachtsverbrennen

Fastnachtsendbrauch am Fastnachtsdienstagabend. Die Fastnacht und damit die Sünde wird symbolisch verurteilt und verbrannt und damit beendet. Hat nichts mit der mittelalterlich-neuzeitlichen Hexenverbrennung zu tun. Andererseits doch, wenn man bedenkt, dass man die armen Sünderinnen einäscherte, um sie, zu ihrem Heil und eigenem Besten, an weiterem Irren zu hindern. Anderntags jedenfalls heißt es am Aschermittwoch: „Memento moriendum esse!“, von schreibfaulen Mönchen zu „Memento mori!“ verstümmelt, da sie es allbott niederkritzeln mussten. (Denk daran, dass du über kurz oder lang tot bist, und deine Spuren allenfalls im Archiv, wenn du brav bist, abgelegt werden. Und dort ruht schweigend Feind an Feind, friedlich in Ewigkeit vereint. Die Freunde liegen etwas weiter, jedoch auch diese nicht mehr heiter.)

Fastnachtsverse / Fastnachtslieder

Es existiert eine Unzahl an Narrenversen und Liedern, die seit eh und je an Fastnacht von Kindern (beim Heischen) und von Erwachsenen (beim Liedlisingen in den Wirtschaften oder beim Trunke) vorgetragen werden. „Hoorig isch diè Katz!“ und „D Mülleri het!“ usw. Manchmal unklaren Sinnes.

Fuchsschwanz

Am Narrengewand getragenes Accessoire [ack/ßeßwáár], das fälschlich als Zeichen eigener überlegener Schläue des Narren ausgegeben wird. Klingt gut, ist aber falsch. Der Narr trägt den Schwanz, weil dieser im Mittelalter als Zeichen der Falschheit und Durchtriebenheit Leute kennzeichnete, die nicht nach Gottes Ebenbild, so wie man es sich vorstellte, handelten, waren oder dachten: Körperlich und geistig Behinderte, Juden, Mohammedaner, Andersgläubige oder - liebende, Freigeister oder solche, deren Nase nicht derjenigen Gottes glich, von der man immer genau wusste, wie sie aussieht und oft heute noch weiß. Narren halt. Und im Mittelalter kennzeichnete man so gern wie heute. Jeder Stand trug sein Zeichen und seine Kleidung, damit klar war, wen Gott wo hingestellt hatte. Die einen trugen es gern, die anderen weniger. Die Französische Revolution hat damit aufgeräumt, wenigstens äußerlich. Allez, allez!

Fuhrmannskittel

Einfacher blauer Handwerkerkittel früherer Zeiten, stereotyp mit weißen Ornamenten geschmückt. Wird gern von älteren Herren, die mit pfundschwerem Gschell nicht mehr stundenlang juckend durch die Gegend hopsen können, als glockenloses - oje - Häs bevorzugt. Kommt aber auch sonst als Teil von Narrengewandungen vor.

Glattlarve

Holzgewordener schöner Schein. Kommt vom Theater. Wurde aber gottseidank durch begnadete Schnitzer der irdischen Wirklichkeit als Stachi und Morbili wieder angenähert. Und manche Groteskmaske wird bleich vor dem richtigen Leben.

Häs

Württembergisch-schwäbischer Ausdruck für’s Narrenkleid, ins Alemannische importiert. Etymologisch sehr unklar, lässt der Fantasie Spielraum, der weidlich genutzt wird. Mehrzahlbildung ebenfalls beliebig: entweder die Häs, die Häse oder die Häser. Sucht’s euch aus. Erinnert an die Namensfindung für den südwestlichen, rechtsrheinischen Nichtwürttemberger zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Vorschlag aus Preußen: „der Bade“. Abgelehnt. Durchgesetzt hat sich „Badenser“. Am Orte selber nicht geliebt. Geblieben ist der „Badener“. Mit Ausnahme der Vorderösterreicher und Reichsstädter, der Hotzen und Blitze, der Unter- und Oberländer, der Wälder und ... ach ja, der Franzosen mit deutschem Pass. On pleure de rire !

Hemdglunki

Nachlässig gekleidete Person auf der Gasse. Kommt im Nachthemd daher und macht Krach, damit es auch jeder sieht. Frecherweise morgens sehr früh, wenn anständige Leute noch schlafen wollen. Könnte in Konstanz am Bodensee erfunden worden sein, und dort unter dem Nachwuchs der ehemals gebildeten Stände. Läuft da auch noch heute. „Wer’s nicht glaubt, geh selbst und seh!“ Das Nachthemd könnte aber auch ein Totenhemd sein, und da der ungläubige Narr, der Tote, des ewigen Todes ist, wären wir wieder mitten im Flecken. Und der Hemdglunki vielleicht uralt.

Hexe, Fastnachtshexe

Etymologisch gesehen reitet die Hex auf dem Gartenhaag. Hagazussa, hagazussa, huuiii ... So wird’s von weiser Wissenschaft wohl wahrgenommen oder halt einfach behauptet. Es lebe hoch die Deduktionsrolle rückwärts oder die wilde Phantasierolle vorwärts. Ein menschenfressendes Wahnwesen eben. Findet besonders das Gehirn lecker. Die Grimm-Brüder haben dieses - ein wenig wenig baronesk aus französischem Märchenschatz schöpfend – eindrucksvoll niedergelegt. So überzeugend, dass ein Offenburger Designer in bewegter Zeit ahnungslos den Prototypen der Hexe lostrat. Doch anfangs wollt sie keiner haben. Ist doch ein liederlich und hässlich Mensch, mit linken Kräften im Bunde. Man weiß ja nie, dachte die Inquisition und half ihr vom Zaun auf den Scheiterhaufen. Pulvis, cynis et nihil. Also, ein Wesen, das nicht viel Sympathie für den lieben Gott erkennen lässt, wie der Narr, der ungläubige Gottleugner und alle andern, die nicht so sind, wie das fromme Schäfchen sich die heile Welt denkt. Von Gott sollten wir da lieber nicht reden. Und überhaupt: après nous le déluge! Heut ganz aktuell.

In gedanklichem Kurzschluss aber und von blanker Not gedrängt, endlich auch eine Fastnacht im Zinken auf die Beine zu stellen, kam da manchem Schlaule die Idee - man muss ja alt sein als Fastnacht -, dass die Hexenverbrennung im Flecken anno Sechzehnhundertleipzigeinundleipzig klarer Beweis dafür wäre, dass wir eine alte Fasnet häben. Denn auch wir zündelten gern an Scheiterhäufen zum höheren Wohle von ... ja, von wem eigentlich? Und stimmen tut es auch nicht. Denn, siehe oben, das irdisch Halbgare ist der Kern der Fastnacht, im Gegensatz zum himmlischen Perfekten. Fastnacht halt, bös, gottfern und einfältig. Wie im richtigen Leben und wie beim Tintenklecks vom Rohrschach-Test, wenn d’en kennsch. Nicht mehr ganz aktuell, zeigt aber schlagend, dass Links und Rechts zusammengehören. Irgendwie, damit man den anderen erkennen kann. Also, die Hexenverbrennung kam lang erst hinterher, wie d alt Fanacht. Wurde von unbedarft ehrenkäsigen Narren benutzt. Hat aber nichts mit Verspottung des Elends von Generationen Andersgläubiger zu tun. Jedoch viel damit, dass die Hex ein preisgünstiges, buntes, strapazierfähiges Kostüm ist, das auch junge, schmalgeldbeutelige LeistungsträgerInnen sich leisten können. Und die Sau rauslassen damit, um sich vom Leistungstragen e bitzeli zu entlasten. Interessant, dass meist Wesen männlichen Geschlechts so gerne hexen. Und Hexenrichter spielen, schaurige Worte vom Blatt verlesend, die außer der Political Correctness keiner zur Kenntnis nimmt. Gute Befriedigung allerseits! Schlag nach bei Sigmund. Und überhaupt, wer rollt schon gern als Villinger Narro im Gassenkot rum. Mit der Hex geht’s billiger. Gruselig schön ist es solcherart sein wahres Wesen hinter der Larve auszuleben. Gell. Scheint ein menschliches Bedürfnis dahinter zu stecken. Hexen breiten sich in der Fastnacht heutzutage aus wie manch ein Virus, auf Gurken lebend – oder auf Sprossen, aber nicht von der Leiter – oder im Äther oder ..... Sicher ist, der Virus kömmt wieder, in anderem Kostüm, ganz wie an der Fastnacht. Und dann rätseln wir wieder, auch wie an der Fastnacht: wer steckt hinter der Larve. Wer wohl, Freund Hein natürlich. Aber das hatten wir schon. Auch die Hexe rafft täglich neue Narren dahin. Furchtbar fruchtbar faselndes Fabelwesen verdrängt fix viel fastnächtlich vermeintlich Festes. Bald gibt es nur noch Hexen. Dann ist die Welt in Ordnung und endlich auch die Fastnacht so fade wie das ganze wohlversorgt-geregelt dahinplätschernde Leben der meisten heutigen kaukasischen Deszendenten rundumedumme. Panem et circenses! Narri Narro !

Nochmals zurück zu den trüb sprudelnden Quellen unserer lieben Vorzeit. Ohne die gäb’s uns gar nicht. Und ohne uns tät keiner phantasieren. Wilder Mann und wildes Weib, die ungläubigen Unkultivierten, im biologisch abbaubaren Gezweig-Häs, aber gibt es schon lang in der Fastnacht. Übrigens auch die Hexe. Man sehe sich in Tirol um, wenn man sich traut. Allerdings war die nicht so schön typisch wie die Offenburgerisch-Grimm’sche heute. Eher noch wildes Weib. Ha! Das waren Zeiten. Aber in der Baar machten die Kinder vor langer Zeit „das Hexle“, wobei sie sich ein altes Küchenvorhängle vors Gesicht hängten. Fertig.