Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
Narrenruf

Es gibt davon sehr viele, je nach Zunft und Gegend. Und täglich werden’s mehr. Der Narrenruf dient dem Narren als Gruß und Erkennungszeichen. Das selbe praktizierten früher auch die Handwerker, fahrenden Studenten und sonstigen Korporationen. Es rufen sich zum Beispiel die Narren von Riedlingen an der Donau „Goooole!“ zu, aber nur, wenn sie sich begegnen, selten vor dem Spiegel. Der bekannteste Narrenruf der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist jedoch: „Narri Narro!“, lautmalerische Erweiterung des Rufes „Narro!“. Im alten Deutsch war es nämlich üblich, zur Verstärkung ein „O“ anzuhängen, also beispielsweise: „Feurio!“, „Mordio!“, „Trollo!“, „Manno!“ oder eben „Narro!“.

Narrentreffen

Seit 1928 große Treffen von Narrenvereinen, die der Umwelt im Land herrschende Narrenbräuche und - gestalten zeigen sollen. Erste Vorläufer finden sich schon im 19. Jahrhundert zum Beispiel in Karlsruhe und Offenburg. Die Narrentreffen hatten in Zeiten, als das Reisen noch umständlich und langwierig aber nicht langweilig war, durchaus ihren Sinn. Auf diese Weise konnten sich Narrenfreunde einmal im Jahr treffen und austauschen. Inzwischen ist zu befürchten, dass sie, im Zuge heutiger Mobilität und Mengenfetischismus’ an ihre Grenzen gestoßen sind und ins leer Folkloristische abgleiten. Auch soll darauf hingewiesen werden, dass sie ein nicht unbedeutendes Moment der wirtschaflichen Sphäre von Narrenvereinen darstellen, was jedoch nicht immer unbedingt gut sein muss, wie daneben gegangene Beispiele zur Genüge beweisen. In jedem Fall stellen sie aber für die ausrichtende Narrenzunft eine logistische Höchstleistung dar, die oft mit Bravour gemeistert wird. Sind auch für neu aufstrebende Zünfte gute Gelegenheit, sich gratis ein passendes Häs auszusuchen und daheim zu kopieren. Wird aber gar nicht gern gesehen.

Narrenvereinigungen

Interessensverbände von Narrenvereinen zu Erhalt und Förderung des Fastnachtsbrauchtums. Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, der älteste deutsche Fastnachtsverband, wurde 1924 als eine der ersten, tatsächlich und nicht nur theoretisch, Baden und Württemberg umfassenden Organisationen, in Villingen gegründet. Sie hatte zwei Ziele: einmal das Verschwinden der Fastnachtsbräuche im Zuge der Fastnachtsverbote nach dem Ersten Weltkrieg zu verhindern, und zweitens, die Fastnachtsbräuche auf ein solches Niveau zu heben, das der Bedeutung des Phänomens angemessen wäre. Die Verbände engagieren sich heute aber, zusammen mit ihren Mitgliedsvereinen, auch auf dem Gebiet von Jugendarbeit, Geschichtspflege, Caritas und vielem anderem mehr.

Narrenzunft

Verein zu Durchführung, Förderung und Bewahrung örtlicher fastnächtlicher Aktivitäten. Engagiert sich außerdem in zum Teil beachtlichem Umfang auf sozialem oder stadtgeschichtlichem Gebiet. Könnte der Gesellschaft in manchen Fällen Integrationshilfe sein. Aus romantischer, aufs Mittelalter zurückblickender, verklärender Nostalgie „Zunft“ genannt. Machen sich, im Gegensatz zur Frauenwelt, gern älter als sie sind, was sich manchmal auch im Namen niederschlägt. Narren halt.

Pääp

Schwäbisch-alemannischer Terminus technicus für Fastnachts-Sponsorship. Motto: „Mir gebet nix!“

Pflugziehen

In der gar nicht so guten alten Zeit hatten ledige Frauen das zweifelhafte Vergnügen unter dem Gejohle der männlichen Dörfler - die Städtler waren mangels Pflügen untätig, aber nur deshalb – einen klobigen Pflug über die rumpligen Gassen des Fleckens zu schleifen. Man möge es als Mittel der Geburtenpolitik verstehen, als sanfte Aufforderung des an Fruchtbarkeit interessierten gesellschaftlichen mainstreams sozusagen, sich doch endlich zu verheiraten und auf alle Fälle strammen und vielfältig einsetzbaren Nachwuchs zu schenken. Motto: „Hoch das Bein, der Kaiser braucht Soldaten!“ Philosofisch gesehen auch Nachahmung der Feldbestellung. Soll auch darauf hinweisen, wie die jungen Narren entstehen: Sie werden ausgesät. Manche aber meinen, sie gingen von selber auf, systemimmanentes Unkraut sozusagen. Auch nicht schlecht.

Riesengestalt

Alte, früher viel verbreitete Narrenfigur. Als „Langer Mann“ und abweichlerisches „Dickes Weib“ in vereinzelten Reichsstädten bekannt. Läuft auch als „Gole“ in Riedlingen an der Donau. Dort offiziell. Leider ansonsten aus der Mode gekommen, großkopfete Narren laufen heute anderswo. Im Alemannischen auch als Mollikopf bekannt.

S wie S gôht drgégè. Es geht dagegen.

Wir können alles außer Hochdeutsch. Macht nix! Es hört eh keiner zu. Also: Der Ruf „s gôht drgégè!“ gehört so eng zur Fastnacht wie Kassandra glatt der Ehegespons vom Rufer in der Wüste sein könnte. Wieso? Weil in fastnachtsfreier Zeit, fern jeder Freude, der einsame Narr in dürrer Fest-Wüste schmachtend, den Blick starr zum Horizont gerichtet (deshalb nicht sehend, dass um ihn herum ein Event das andere jagt) diesen hoffnungstragenden Ausspruch tut, halt eben wie ein verdurstender Wüstenreisender „Wasser“ lispelt. Andere schnippelten Maßbänder ab, wie jene, die ihrer martialischen Staatsbürgerpflicht als Spießträger überdrüssig, so die Tage bis zum fohen Abschied markierten. Heute aus der Mode gekommen, die Panem-et-circenses-Fraktion lässt grüßen. Wie auch immer, ein aufbauendes Ereignis wird sehnlichst erwartet, ja geradezu herbeigehext. Ein wortzauberisch aufbauender Spruch also, der den Schmachtenden daran erinnern soll, dass er ganz sicher bald wieder Fastnacht machen darf. Zwischen dem sechsten Januar und Fastnachtsdienstag 24.00 Uhr bitte im Schwäbisch-Alemannischen. Aber was soll’s? Am Aschermittwoch um 00.00 Uhr ... na, was? ... gôht s nodüürlig widr degégè! Alles klar?

Saubloder

Es handelt sich dabei um die Harnblase des Schweins, die, ausgekocht und aufgeblasen, an einen Stecken gebunden als Neckinstrument und Krachmacher verwendet wird. Ein schlagendes Symbol für die Todsünde der Eitelkeit: aufgeblasenes hohles Nichts, das zuweilen auch stinkt.

Schellen / Glocken / Rollen

Von Narren getragene Lärminstrumente. Sie können in Form von runden Rollen oder in erhabener Glockenform auftreten, mitunter als Pärchen. Wie die anderen Krachmacher Rätschen, Pritschen, Peitschen, Kläpperle usw. symbolisieren sie die irdische Disharmonie, das Hässliche, Falsche und Unvollkommene im Gegensatz zur himmlischen Harmonie, dem Wahren, Schönen, Guten. Natürlich erfüllen sie dem Narren auch den Zweck, ganz einfach ein infernalisches Krachspektakel veranstalten zu können. Außerdem wohl Zeichen der Eitelkeit, aus der höfischen Mode des Mittelalters in die Fastnacht gesunken. Und vielleicht vertreiben sie ja auch böse Geister. Doch, wenn man sich die Welt so ansieht, ist dies wenig wahrscheinlich. Lauter schellen, ihr Narren!

Scheme / Larve / Maske

Im Germanischen bzw. Deutschen gibt es kein ursprüngliches Wort für die Gesichtsverkleidung. Offenbar war das Bedürfnis nach Umsicht groß. Hat sich inzwischen aber gelegt. Die Herkunft des Wortes Maske, Larve oder Scheme wird aus dem Lateinischen genommen und mit dem schemenhaft Gespenstischen in Verbindung gebracht. Kleines Aperçu am Rande: Da die „Scheme“ mit Ölfarbe bemalt wurde und teils noch wird, ist es interessant darauf hinzuweisen, dass im Hebräischen „Öl“ „schemen“ [nmsch] heißt. Folgerungen aus dieser Tatsache bleiben der hypothetisierenden Fantasie überlassen, haben aber durchaus ihren Reiz, den wir nicht missen wollen.

Schlüsselübergabe / Rathaussturm

Die Schlüsselübergabe ist Symbol einer als verkehrt empfundenen Welt, wenn angeblich einmal im Jahr nur für kurze Zeit die Narren regieren. Manch entmachteter gestandener Bürgermeister, zählt er klaren Sinnes die Häupter seiner ihn oben und unten, links und rechts umgebenden Lieben, wäre manchmal froh, er könnte ganz einfach vergessen, den Schlüssel wieder abzuholen. Der aber kommt immer wieder gnadenlos zurück.

Schmutziger Donnerstag / Glompiger Donne

Donnerstag der Woche vor Fastnacht. Ein Hochtag im Schwäbisch-Alemannischen. Das alemannische Wort „Schmutz“ bedeutet „Kuss“ aber auch „Fett“. Auf erstere Bedeutung wird viel zuwenig hingewiesen. An diesem Tag ist der Anfang des Verzehrens fetter Fastnachtsspeisen und Steigerung anderer Lustbarkeiten. Am frühen Morgen wird oft durch Katzenmusik oder ähnliches geweckt. Schwäbische Namensausprägungen sind Auseliger Donnerstag (Unseliger Donnerstag) und Glompiger Donnerstag (wohl gompiger Donnerstag von alem.-schwäb. gumpe / gompe d.h. springen, engl. to jump).

Schneckenhäuslein

Schnäggähüüsly, Symbol von Geilheit und Verfressenheit, zweier nicht unbeliebter Todsünden. Es kann oft an Narrengewändern gesehen werden, ein Narrenattribut. Nach dem Strählen zieht sich mancher Narr in es zurück.

Streckschere / Neckinstrumente

Manchmal meterlanges und mittels raffinierter Konstruktionen am Körper abgestütztes, ausfahrbares Instrument zum Necken der Mitmenschen während der Fastnacht. Kann außer als Genickzwickapparat auch zum Überreichen von Gaben oder Holen von Hüten dienen. Beim Publikum sehr beliebt. Ebenso wie die Pritsche, ein Schlaginstrument aus Lamellen bestehend, die beim Draufhauen einen satten Ton abgeben. Hier hängt die Beliebtheit von der Durchzugskraft des Narren und der Weltsicht des Gepritschten ab. Auch der einfältige Hexenbesen kann vielfältig zum Necken eingesetzt werden. Erfreut sich besonders großer Beliebtheit im Nacken, wenn er schon tagelang im Straßenkot herumgezogen worden ist.