Fastnachtsglossar

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Begriff Definition
Teufel / Hans / Federle / Federhannes

„Wenn man den Teufel nennt, kommt er gerennt.“, wie wir alle wissen. Deshalb nennt man ihn nicht, sondern gibt ihm vorsichtshalber Übernamen. Beliebt waren und sind: Hans(eli), Federle, Fedrahannes, Dieserundjener und so fort. Dem Narren, üblem Sünder per se, ist der Übername des Teufels ganz selbstverständlich zugewachsen. Und der Narr ging stets gerne als Teufel. Und geht noch heute. Das Gedrängel ist groß, die Fastnacht boomt.

Tiergestalten / Tiermasken

Auch die Tiergestalten in der Fastnacht erinnern an die triebhaftige Sündigkeit des Narrenfleisches. Sie sprechen eine deutliche Sprache, die Böcke, Esel, Schweine, Vögel. Zu letzteren werden erweiternde etymologische Kommentare nur auf Verlangen und mündlich an Volljährige abgegeben.

Weiberfastnacht / Frauenrecht

Hin und wieder Aschermittwochsbrauch wie auch der Kehraus. Ist ebenfalls an der Alten Fastnacht zu finden. Hier haben endlich einmal die sonst früher in der Fastnacht nicht gern zu Wort kommen gelassenen Frauen das Sagen. Sie haben trotzdem immer gefastnachtet. Allerdings nur ein bisschen kleiner und nicht so viel Wert scheinend, wie die hohe und jahrhundertelang bestimmende Männerfastnacht. Aber immerhin.

Weißnarr

Kommt besonders in der Baar und im Schwarzwald vor. Trägt in der Baar eine Glattlarve, im Schwarzwald eine eher groteske Maske. Stets aus Holz. Zur Ausstattung gehören zwei gekreuzte Schellenriemen, ein weißes, bunt mit Ornamenten oder Figuren bemaltes Leinenhäs mit Gugel, Handschuhen, Ziertüchern und einem Bajasskragen. Trägt oft auch ein Narrenschwert oder ähnliches. Die Bezeichnung wurde in den 1950er Jahren vom damaligen Kulturreferenten der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, dem Rundfunkjournalisten des SDR, Wilhelm Kutter, eingeführt. Lief vorher ohne Problem als „Gschellnarr“. Wurde in früheren Zeiten stark von einigen Figuren der commedia dell’ arte beeinflusst. Weiters spielen das englisch-holländische Theater ebenfalls früherer Zeiten mit dem Hanswurst und der Adel mit seinem höfischen Karneval und den Hofnarren hinein. Das über Land ziehende Wurstel-Theater nahm sie auf, und letztendlich kam der Narro / Hansele dabei heraus. Man vergleiche! Trägt übrigens Figurenbilder und Ornamente deren Sinn und Herkunft wir uns nicht anmaßen zu deuten.

Wilder Mann / Wildes Weib / Hexe

Der Wilde Mann kommt nicht nur im täglichen Leben vor, Straßenverkehr, Militär etc., sondern auch in der Fastnacht. Unkultiviert-kreatürliche Gestalt aus dem Walde, gern in Blätter, Tannenzweiglein, Flechten oder ähnlich Biologisch-Natürliches gekleidet. Lebt gesund und tritt beispielsweise in Furtwangen als Bodenwälder auf. Dieser Typ steht für den Ungläubigen, nicht Gottgläubigen, was im christlichen Verständnis einhergeht mit lustig-ungesittetem Vorsichhinleben, ohne sich über das materielle Wohlergehen hinaus denkend ums Transzendent-Hieratische zu kümmern. Und schon gar nicht um Dogmen. Der Aschermittwoch ist ihm kein Anliegen. Halt ein Narr. Seine Partnerin kann das Wilde Weib sein, dessen philosophischer Horizont dem seinen entspricht. Die Narreneltern Adam und Eva lassen grüßen. Das Wilde Weib hat sich hie und da zur Hexe entwickelt, bei Beibehalten des Niveaus. Kam zu Anfang auch ganz ohne Maske oder mit einem Küchenvorhänglein vor dem Gesicht aus. Besonders Kinder „machten das Hexlein“. Diesem Vorgang gaben die Brüder Grimm mit ihren Gestalten Schützenhilfe und fachten die Fantasie von frühen Designern an, die im Glücksgriff, vom Grimm’schen Märchenvorbild zehrend, einen edleren Prototyp für die närrische Ungebundenheit schufen, was anfangs aber von den Narren gar nicht gern gesehen wurde. Hat sich aber, wie alles, was nicht gern gesehen wird, letztendlich durchgesetzt. Ein schönes Beispiel für die Wirksamkeit der Dialektik: „Du willst Narro, ich will Percht, daraus wird dann die Hex gewercht.“

Winteraustreiben / Frühjahrsbegüßen

Von Romantikern gern behaupteter Grund für die Fastnacht. Schon möglich, aber nicht recht quellenmäßig zu belegen. Allerdings gibt es für die Fastnacht noch jede Menge anderer und beweisbarer Ursachen. Lassen wir’s halt offen.

Wuescht

Villinger Narrengestalt, heruntergekommener Weißnarr. Bot sicher, neben anderem, auch der ärmeren Bevölkerungsschicht die Möglichkeit mit dem Abgelegten der Reichen ihre Fastnacht zu machen. Er trägt ein abgetragenes altes Narro-Häs mit strohgestopften Hosen, Zeichen des unförmigen sündigen Leibes, und hält seine abgebrauchte Scheme mit der Hand schräg vor das Gesicht. Wahrscheinlich waren die Masken der Großkopfeten zu weit und haben vor den Gesichtern der Hungerleider geschlackert. Außerdem führt er einen Reisigbesen. Auf dem Rücken trägt er einen Tisch. Dieses Symbol der lästerlichen Verfressenheit, Todsünde im christlichen Verständnis, wurde früher mit Steinen beworfen, heute, als späte Folge der Aufklärung, nur noch mit Tannenzapfen, und so symbolisch aus der Gemeinschaft gejagt. Am Ende der Fastnacht wird das Stroh, Sündensymbol, verbrannt. Man denke auch an den italienischen Pagliaccio (Strohmann) oder den Bajass (frz. paillasse = Strohsack). Und schon sind wir wieder bei der commedia dell’ arte und beim Hanswurst. Gell, do guckscht.

Zimmermann

Traditionsgemäß stellen Zimmermänner im Rahmen einer sich recht langwierig hinziehenden, fast endlosen Aktion zu Beginn der Fastnacht auf dem prominentesten Platze des Ort den Narrenbaum. Gegenteil des Startschusses. Tritt zuweilen auch als Einzelfigur in Form eines komischen Kauzes auf.